HUNDEHEIMAT
- Aus Liebe zum Hund

Shirkan

Dieser Hund war bissher mein wohl außergewöhnlichster Pflegehund, von dem ich eine Menge gelernt habe. Shirkan wurde über 2 Jahre angekettet an einem Zaun gehalten. Er besaß keine Hütte, wo er sich vor Witterung hätte schützen können, hatte keinen Zugang zu Wasser und bekam nur selten die Abfälle seiner ''Halter'' zu fressen. Er war extrem abgemagert, was man auf den ersten Blick durch das viele Fell nicht sah. Auch fand ich nach einer Tierärztlichen Untersuchung heraus, dass sein Herz sehr schwach war, dadurch hatte er einen Herzhusten und sein Zahnfleisch sowie seine Zunge waren weiß wie Schnee. Er entwickelte in diesen Jahren eine Hungerspanik. Seine Art damit umzugehen war eine Form extremer Aggression gegen sich selbst.

Als ich Shirkan abgeholt habe, ahnte ich davon noch nichts. Erst gegen Nachmittag, als ich für das Rudel die Futterration fertigstellte, jedem seinen Napf gab, kam eine ganz andere Seite zum Vorschein.

Er sprang knurrend und Zähne fletschend, mit schaumendem Speichel im Kreis um sich selbst herum und jagte beißend seinen Schwanz. Er biss tatsächlich kräftig rein, fiebte dabei auf, bellte aber wieder und begann von vorn. Von alleine kam er da nicht raus. Das gefährliche war die Reaktion des Rudels, zu dieser Zeit 7 weitere Hunde, denn solch eine abnormale Verhaltensweise ist für Hunde nicht verständlich und sorgt für Aufregung und Angriffe.

Die darauf folgenden Tage tat ich alles was half; fütterte ihn im dunklen Keller, bei Licht aus mit der Hand, denn sobald der Napf vor ihm stand, attackierte er sich selbst. Er hatte sich bereits Hautstücke herrausgebissen und es war sehr wichtig, dass er zunahm. Shirkan durfte von der Futterzubereitung auch nichts mitbekommen, roch er Fleisch, oder sah er die Näpfe in meiner Hand, begann er erneut. Auch konnte ich nicht einfach den Müll rausbringen, den Geschirrspüler einräumen... Es waren wirklich schwierige Tage, an denen auch ich an meine Grenzen kam.

Problematisch war es ebenfalls, ihn zu korregieren. Sprang er z.B. am Küchentisch hoch und ich zog ihn herunter, attackierte er sich und bestrafte sich selbst. Dieses Leiden zu sehen, zu bemerken, dass er gefangen war in seinem eigenen, aus Schutz errichtetem Karussell, war sehr schwer zu ertragen. Doch half es ihm, jeden Tag genügend und regelmäßig Futter zu bekommen, Aufmerksamkeiten und Liebe zu erfahren, lange Spaziergänge in Freiheit in den Wäldern, baden in Pfützen und ein Teil des Rudels zu sein. Von Zeit zu Zeit meisterte Shirkan eines nach dem anderen.

Er frass bald aus dem Napf, draußen im Garten, ließ sich korregieren und zeigen wie er es besser machen kann. Er lernete schell, was lernen heißt und tat das auch mit Begeisterung. Shirkan ist ein unheimlich intelligenter Hund, sehr lieb und sehr anhänglich, sehr freundlich und sehr verspielt.

Shirkan war zwei Monate bei mir und kann mittlerweile auf ensgstem Raum mit anderen Hunden zusammen seine Mahlzeit einnehmen, Geschirrspüler und Müll interressieren ihn nicht mehr, er folgt mir und lässt sich die Welt erklären. Shirkan hat einfach wieder Freude in seinem Leben und ich auch.

Ich habe diesen tollen Vierbeiner an zwei ganz liebe Menschen vermittelt, die ebenfalls zwei außergewöhnlichen Fällen aus dem Tierschutz eine Heimat gegeben haben und sehr viel Verständnis und Erfahrung haben.

Ich habe mit Shirkan mehr durchgemacht und erlebt als mit jedem anderen Pflegehund, darüber hinaus intensives Training und Zeit in ihn gesteckt. Shirkan hat es mir bewiesen und kann es dem Rest der Welt beweisen, dass jeder Hund in seine ursprüngliche Verhaltensform gebracht werden kann, dass jeder Hund liebenswert ist und eine Heimat mit liebenden Menschen verdient hat.


Auf diesem Bild zu sehen, Shirkans Zaunecke, in der er lebte,  befestigt mit einer Eisenkette...